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Unsere erste Jahresreise führte 1995 in die Steglitzer
Partnerstadt Kazimierz Dolny an der Wis³a und in weitere Renaissancestädte
südöstlich von Warschau. Die Fahrt machte einen tiefen Eindruck auf uns.
Wo wir bis dahin für uns noch weiße Flecken auf der Landkarte unseres Nachbarlandes
gesehen hatten, entdeckten wir im Krieg unzerstört gebliebene architektonisch
überzeugend restaurierte Städte. In Kazimierz Dolny waren es vor allem die
Getreidespeicher vom Ende des 16. Jahrhunderts mit ihren türmchenbesetzten
Volutengiebeln, die uns an die Weserrenaissance erinnerten. Auch die Marktplätze
in Zamoœæ und Sandomierz waren geprägt von schönen Bürgerhäusern mit reichem
Skulpturenschmuck aus jener Zeit und von mächtigen Rathäusern mit hohen
Türmen. In Zamoœæ "begegneten" wir unvermutet Rosa Luxemburg,
die hier 1870 in einem der Laubenganghäuser am Markt geboren worden war.
Besonders interessant fanden wir Schloss Baranów als Beispiel für die relativ
seltene "Kulissenarchitektur" der Renaissance. Die klassische
viertürmige Anlage mit Innenhof besteht an der Eingangsseite nur aus einer
zweistöckigen Wand mit dahinter liegenden, offenen Arkadengängen, während
diese Front nach außen hin einen massiven Bau vortäuscht. Alle Städte und
Schlösser - wie auch £añcut, das heute ein schönes Hotel ist - zeigten
uns in ihrer Baukunst, wie die Polen mit ihrem nationalen auch das europäische
Erbe bewahrt haben. |