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5.-11.7.2002 (VIII) Reise nach £ód¼ und Umgebung

Eine multiethnische Textilstadt des 19. Jahrhunderts und heute zweitgrößte Stadt Polens
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Wir reisten über £êczyca mit seiner historischen Ausstellung zur Stadtgeschichte von der ersten Besiedlung bis zum 19. Jh. im Museum des ehemaligen Königsschlosses an. Nicht weit entfernt liegt Tum, eine Klostergründung aus dem Jahr 997, mit einer Basilika aus dem 12. Jh. und Zeichen ehemaliger Wehranlagen des 6. Jhs. auf den Feldern der Stadt. In £ód¼ wandelten wir – im Gedächtnis den Film "Das gelobte Land" von Andrzej Wajda nach dem gleichnamigen Roman des Literaturnobelpreisträgers W³adys³aw Reymont - auf den Spuren des "polnischen Manchester". £ód¼ hatte sich seit den 1820er Jahren bis zum Ende des 19. Jhs. aus einem Dorf mit ca. 800 Einwohnern rasant zu einer der führenden Textilproduzenten Europas und zur zweitgrößten Stadt Polens entwickelt. Auch heute stammt die Hälfte der gesamten polnischen Textilproduktion von hier und man findet in den Läden hervorragende Designermode. Die schnurgerade Hauptstraße und Wirbelsäule der Stadt, die Piotrkowska, zeugt mit ihren aneinandergereihten, restaurierten Palästen und Villen aus dem 19. Jh. und vom Anfang des 20. Jhs. von dem immensen Reichtum der damaligen deutschen, jüdischen und später auch polnischen Unternehmer. Auf dem jüdischen Friedhof - mit seinen ca. 120 000 Gräbern zählt er zu den größten Europas -, dem protestantischen und katholischen Friedhof findet man aufwendige Grabmäler und Mausoleen der Fabrikantenfamilien, wie der Poznañskis, Scheiblers, Geyers, Grohmanns, Heinzes, Konstadts u.a.
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Poznanski-Fabrik
£ód¼, Poznañski-Fabrik
Für die im Stadtgebiet verteilt liegenden riesigen Fabrikanlagen mit ihren qualitätsvollen Ziegelfassaden und Toren sucht man z.T. noch neue Nutzungskonzepte, die angrenzenden Arbeitersiedlungen, wie die der Fabrik Scheibler, wurden z.T. saniert. In den in unmittelbarer Nähe zu den Fabriken stehenden Palästen befinden sich heute ein Stadtmuseum mit Räumen zu den £ód¼er Persönlichkeiten - hier sei nur der Pianist Artur Rubinstein und der Dichter Julian Tuwim genannt -, ein Textilmuseum oder das Filmmuseum. £ód¼ besitzt sieben Hochschulen; aus der staatlichen Film-, Fernseh- und Theaterhochschule gingen Regisseure, wie Andrzej Wajda, Roman Polanski oder Krzysztof Zanussi hervor.
In der kleinen ehemaligen Privatsynagoge in der Straße der Revolution 1905 berichtete uns der Rabbiner über das Leben der jüdischen Gemeinde seit 1945. Sie zählt heute nur ca. 300 Mitglieder. Mit einem Bus umfuhren und durchquerten wir das Areal des ehemaligen jüdischen Gettos, in das 230 000 Menschen gezwängt worden waren und von denen nur wenige den Völkermord der Deutschen überlebt hatten. Ein Museum im Bezirk Radogoszcz zeugt von der Geschichte des deutschen Polizeigefängnisses (Nov. 1939 - Jan. 1945), Folter- und Hinrichtungsstätte, sowie Durchgangslager für ca. 40 000 Polen aller Konfessionen. Besuche im Begegnungszentrum älterer Polen deutscher Abstammung, in der russisch-orthodoxen Kirche und im Kunsthistorischen Institut der Universität mit Referaten über die Stadtentwicklung, Architektur und das Zusammenleben von Polen, Juden und Deutschen sowie ein Ausflug in die Umgebung nach Zgierz, Alexandrów, Konstantynów und Pabianice rundeten unsere Reise ab.
Poznanski-Palais
£ód¼, Poznañski-Palais (Stadtmuseum)

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